12 Jul

Das Bautagebuch

Bauleiter sind verpflichtet, den Baufortschritt eines Bauvorhabens sowie ggf. auftretende Mängel oder Schäden in einem Bautagebuch festzuhalten.

Pflicht zum Führen des Bautagebuchs

Laut der Verordnung über die Honorare für Architekten- und Ingenieurleistungen ist die Bauleitung bzw. der Architekt verpflichtet, das jeweilige Bauvorhaben zu dokumentieren. Dies erfolgt in einem sogenannten Bautagebuch.

Das Bautagebuch dokumentiert den Baufortschritt des jeweiligen Bauvorhabens und hält auch ggf. während des Baus aufgetretene Mängel oder Schäden fest. Es sollte täglich, mindestens jedoch bei jedem Baustellenbesuch von der Bauleitung fortgeführt werden. Weiter sollte es vom Bauherren sowie den beteiligten Unternehmen unterschrieben werden. Somit dient das Bautagebuch im Falle einer juristischen Auseinandersetzung auch als Beweismittel.

Davon zu unterscheiden sind freiwillig geführte persönliche Dokumentationen von privaten Bauherren, z.B. in einem Baublog. Diese haben i.d.R. keine rechtliche Bedeutung.

Welche Angaben enthält ein Bautagebuch?

Das Bautagebuch dokumentiert das gesamte Bauvorhaben und ist Bestandteil des Vertrags zwischen dem Bauherren und seiner Bauleitung. Entsprechend ist der Bauherr berechtigt, jederzeit Einsicht in das Bautagtebuch zu nehmen und sollte regelmäßig die aktuellen Auszüge erhalten. Es empfiehlt sich für den Bauherren, diese Auszüge in seinen Bauakten aufbewahren.

Das Bautagebuch wird heute meist nicht mehr handschriftlich, sondern überwiegend elektronisch auf mobilen Geräten erstellt. Dies hat den Vorteil, dass die Angaben standardisiert werden und die aktuellen Auszüge aus dem Bautagebuch per E-Mail an alle Beteiligten versendet werden können.

Wikipedia listet folgende Angaben auf, die ein Bautagebuch enthalten muss:

  • Datum
  • Objekt (zum Beispiel: Einfamilienhaus Familie Mustermann),
  • Wetter (Temperatur, Bewölkung, Niederschlag),
  • Bautenstand,
  • Anwesende Ingenieure, Bauleiter, andere Beteiligte (Bauherr, Bauprüfer etc.)
  • Anwesende Gewerke (Tischler, Maurer, Sanitär…) und deren Tagewerke,
  • Anzahl der Handwerker einer Firma und ggf. die Arbeitszeiten bzw. Stundenzahl,
  • eingesetzte Baugeräte/-maschinen, ggf. mit Einsatzzeiten und Stillstandzeiten bzw. Störungen,
  • Verwendete Baustoffe (z. B. Beton, Farben, Grundierungen), ggf. mit Mengenangaben und Einbaubedingungen,
  • Störungen und Abweichungen vom geplanten Bauablauf:
    • Verzüge (Abgleich des Bauzeitenplans mit dem tatsächlichen Leistungsstand (Soll-Ist-Vergleich)),
    • Mängel und Bauschäden (Text, Fotos, Skizzen),
    • Behinderungen durch die der geplante Ablauf verzögert werden könnte (z.B. Hindernisse im Baugrund)
    • Anmeldung von Bedenken gegen die vorgegebene Bauausführung,
    • festgestellte Fehler bei der Bauausführung,
  • Baumaßnahmen, bei denen ein Bauleiter vor Ort sein muss (Betonarbeiten, Tragwerkseingriffe),
  • Weisungen und Unterlassungsaufforderungen an Bauunternehmer und Handwerker,
  • vereinbarte Zusatzaufträge (Nachträge),
  • durchgeführte Prüfungen (z.B. Frischbeton) und Messungen,
  • Verlauf von Kabeln / Rohrleitungen, bevor verfüllt oder verputzt wird (Fotos, Skizzen),
  • Pläne, die auf der Baustelle übergeben wurden ggf. mit Index, bei Planänderungen während der Bauausführung,
  • Einbau- und Betriebsanleitungen von verbauten Geräten wie z. B. Lüftern, Türen, als Anlagen zum Baubericht
  • Abnahmen von Bauleistungen und Teilabnahmen,
  • Besondere Vorfälle (Beschwerden von Nachbarn, Unfälle, Schäden an Nachbargrundstücken),
  • Fotodokumentation des Bautenstands, der sichtbaren Mängel, der Behinderungen, ggf. der Baustoffe (Qualitätskontrolle) und wichtiger Baumaßnahmen und deren Arbeitsprozesse.

Sowohl Bauherr als auch Bauleitung erhalten somit eine vollständige Dokumentation des Bauvorhabens. Dies ist nicht nur für Großprojekte von Bedeutung, sondern gerade auch für private Bauherren. Denn die meisten privaten Häuslebauer bauen eben nur ein Mal in ihrem Leben und sind somit als Laien nicht unbedingt in der Lage, mögliche Fehler und Mängel sofort zu erkennen.

Baublogs und private Bautagebücher

Macht es Sinn, als Bauherr ein Bautagebuch zu führen? Diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Sinnvoll ist es auf jeden Fall, das durch die Bauleitung vorgelegte Bautagebuch ggf. durch Anmerkungen und Notizen zu ergänzen. Auch offensichtliche, sofort ins Auge springende Mängel sollten direkt dokumentiert werden. Kommt es zum Zerwürfnis zwischen Bauherren und Bauleitung, sollte frühzeitig das Gespräch mit einem auf Baurecht spezialisierten Juristen gesucht werden.

Wir als Organisatoren der Baufachtage Günzburg wünschen natürlich, dass weder Mängel noch sonstige Zerwürfnisse auftreten. In diesem Fall dokumentiert das private Bautagebuch einfach nur die Erfüllung eines Lebenstraums, nämlich die Erstellung der eigenen vier Wände.

In Zeiten von Social Media dokumentieren immer mehr Bauherren den Fortschritt der Bauarbeiten in einem Baublog. Das hat den Vorteil, dass jeder entscheiden kann, was und in welchem Umfang veröffentlicht werden soll. Gleichzeitig unterstützt ein Baublog ggf. andere Häuslebauer bei der Entscheidungsfindung und hilft, Fehler zu erkennen bzw. zu vermeiden.

Hinzu kommt: Da das private Bautagebuch oder das Baublog auch etwas emotionaler sein darf, ist es auch in einigen Jahren immer noch eine schöne Erinnerung an die Zeit, in der die eigenen vier Wände entstanden sind. Und: Wer möchte, kann es ja auch weiterführen. Denn an Haus und Garten ist schließlich immer etwas zu werkeln.

Bildnachweis: Pixabay CCO Public Domain – Bild 1Bild 2Bild 3